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erstmal Pause

Seminar zur Aktualität der Kritischen Theorie

eine Einführung in grundlegende Fragestellungen

10./11.06.2011 | Club Courage | Münster

Die Vorwürfe an die Kritische Theorie sind bekannt: Anstatt sich mit den revoltierenden StudentInnen zu solidarisieren, hätten deren Vertreter sich aus der Praxis in die Kunst und den Konservatismus geflüchtet und sich ausschließlich der Produktion von nur schwer zugänglicher Theorie gewidmet. Zudem belege bereits das dunkle und pessimistische Hauptwerk „Dialektik der Aufklärung“, dass die Kritische Theorie die Möglichkeit der Einrichtung einer besseren Gesellschaft verworfen habe. Gegen diese Leseart der Kritischen Theorie sollen im Seminar grundlegende Fragestellungen der Kritischen Theorie, vor allem der Haupttheoretiker Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, vorgestellt werden. Es soll diskutiert werden, ob die Kritische Theorie nicht gegen die schon lange verselbstständigte „dunkle“ Interpretation nach wie vor ein gesellschaftskritisches Potential birgt.

Adornos Text „Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft“ steht im Mittelpunkt des Seminars. Davon ausgehend werden wir uns damit auseinandersetzen, wie die Kritische Theorie das Verhältnis von Staat, Gesellschaft, Individuum und Kultur/Kulturindustrie im Übergang vom liberalen zum verwalteten Kapitalismus versteht. Es wird zu fragen sein, wie die Kritische Theorie zum Verständnis aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen beitragen kann.

Seminartage:
Freitag, 10.Juni 17:30-20:30 Uhr
Samstag, 11.Juni 10:30-18:00 Uhr

Club Courage, Friedensstraße 42 (Hinterhof), 48145 Münster

Eine Anmeldung unter KritischeTheorieMS@googlemail.com ist erwünscht, aber nicht zwingend erforderlich. Nach der Anmeldung werden die vor dem Seminar zu studierende Textgrundlage sowie weitere Informationen zum Ablauf zugesandt.
Die Teilnahme ist selbstverständlich kostenlos.

Eine Veranstaltung der Gruppe et2c.

7.5.2011: Protest gegen die „Palästina-Konferenz“ in Wuppertal

Am 7. Mai 2011 soll in Wup­per­tal unter dem Motto „Die Ge­ne­ra­ti­on der Rück­kehr kennt ihren Weg“ eine Pa­läs­ti­na-​Kon­fe­renz statt­fin­den, bei der pa­läs­ti­nen­si­sche Fein­de Is­raels, Fein­de des Frie­dens und Un­ter­stüt­zer des is­la­mis­ti­schen Ter­ro­ris­mus für ein Ende des jü­di­schen Staa­tes ein­tre­ten.

Es wird ab 10:30 Uhr eine Gegenkundgebung direkt vor der Uni-Halle geben. Anschließend ist ab 15 Uhr eine weitere Kundegebung in der Innenstadt auf dem Kerstenplatz in Wuppertal Elberfeld angemeldet.

Für (weitere) Aufrufe, Aktuelles und Informationen ist verwiesen auf:
» antisemitischekonferenzstoppen.blogspot.com

 

Es folgt der vor­läu­fi­ge Auf­ruf des Mi­de­ast Free­dom Forum Ber­lins:

Das von den Kon­fe­renz-​Or­ga­ni­sa­to­ren als „un­ver­han­del­bar“ be­zeich­ne­te Recht auf „Rück­kehr“ pa­läs­ti­nen­si­scher „Flücht­lin­ge“ ist nicht mehr als eine men­schen­recht­lich ver­bräm­te Kampf­pa­ro­le gegen jede fried­li­che is­rae­lisch-​pa­läs­ti­nen­si­sche Ver­hand­lungs­lö­sung. Die an­geb­li­chen Flücht­lin­ge sind heute Mil­lio­nen von Pa­läs­ti­nen­sern, die nach der Staats­grün­dung Is­raels ge­bo­ren wur­den, und denen von ara­bi­scher Seite in jor­da­ni­schen und li­ba­ne­si­schen Flücht­lings­la­gern grund­le­gen­de Rech­te vor­ent­hal­ten wer­den. Ihre „Rück­kehr“ soll ein Ende des jü­di­schen Staa­tes Is­ra­el brin­gen, ein Ziel, das den Or­ga­ni­sa­to­ren wich­ti­ger ist als ein de­mo­kra­ti­scher pa­läs­ti­nen­si­scher Staat. Diese Hal­tung stellt auch in den pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­bie­ten eine töd­li­che Be­dro­hung für alle kom­pro­miss­be­rei­ten Kräf­te dar, die von pa­läs­ti­nen­si­schen Na­tio­na­lis­ten und Is­la­mis­ten als „Ver­rä­ter“ ver­folgt und er­mor­det wer­den.

Die Nähe des zu den Kon­fe­renz-​Or­ga­ni­sa­to­ren ge­hö­ren­den „Pa­les­ti­ni­an Re­turn Cen­ter“ zur is­la­mis­ti­schen, an­ti­se­mi­ti­schen und in Deutsch­land als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ver­bo­te­nen Hamas sind wohl­be­legt, Ha­mas-​Ver­tre­ter wer­den als Red­ner er­war­tet. Hamas hat nach dem voll­stän­di­gen is­rae­li­schen Rück­zug aus dem Ga­za-​Strei­fen ein is­la­mis­ti­sches Ter­ror­re­gime er­rich­tet, schon Kin­der wer­den sys­te­ma­tisch is­la­mis­tisch und an­ti­se­mi­tisch ver­hetzt, Frau­en un­ter­drückt, Ho­mo­se­xu­el­le ver­folgt, un­lieb­sa­me Me­di­en ge­schlos­sen, Pro­tes­te zer­schla­gen. Zudem wur­den tau­sen­de Ra­ke­ten auf Is­ra­el ab­ge­feu­ert, zu­letzt ge­zielt auf einen is­rae­li­schen Schul­bus. Ähn­li­che Ent­wick­lun­gen in der West­bank sowie die kürz­lich er­folg­te Ei­ni­gung zwi­schen Hamas und Fatah zei­gen ein­mal mehr die Ziele der do­mi­nan­ten pa­läs­ti­nen­si­schen Po­li­tik, die von deut­schen Po­li­ti­kern und Me­di­en noch immer igno­riert oder gar un­ter­stützt wer­den.

Zu die­sen Zie­len zäh­len eine Ver­wei­ge­rungs­hal­tung ge­gen­über di­rek­ten Ver­hand­lun­gen, die Nicht­an­er­ken­nung des jü­di­schen Cha­rak­ter Is­raels und die kaum ver­hehl­te Hoff­nung den Staat Is­ra­el der­einst durch de­mo­gra­phi­sche Ent­wick­lun­gen zu be­sei­ti­gen. Die Ei­ni­gung auf eine Ein­heits­re­gie­rung mit der ter­ro­ris­ti­schen Hamas lässt jeg­li­chen Frie­dens­wil­len ver­mis­sen und steht klar für eine po­li­ti­sche Aus­rich­tung, die – wie so oft in der Ver­gan­gen­heit – trotz is­rae­li­scher Zu­ge­ständ­nis­se je­der­zeit be­reit ist Ter­ro­ris­mus zur Durch­set­zung der ei­ge­nen Ziele an­zu­wen­den, wenn es der Pa­lästri­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de nütz­lich er­scheint.

Wir for­dern die Stadt Wup­per­tal auf, ihre Un­ter­stüt­zung für die Kon­fe­renz zu­rück­zu­zie­hen und ihre Räume nicht zur Ver­fü­gung zu stel­len. In jedem Fall wer­den wir am Sams­tag in Wup­per­tal de­mons­trie­ren:

Gegen Is­la­mis­mus, An­ti­se­mi­tis­mus und den Pro­pa­gan­da­krieg gegen Is­ra­el – Für einen de­mo­kra­ti­schen und fried­li­chen Nahen Osten mit einem an­er­kann­ten jü­di­schen Staat.

Mi­de­ast Free­dom Forum Ber­lin e.V., 2.​5.​2011.

Antifa Camp 2011

Bereits zum elften Mal findet in diesem Jahr das Antifacamp in Oberhausen statt. Auf dem Gelände des mittlerweile komplett renovierten und umgebauten Kulturzentrums Druckluft gibt es neben Vorträgen, Seminaren, Workshops und Diskussionen in gewohnter Spitzenqualität auch wieder Übernachtungsmöglichkeiten, vegane Vollverpflegung und ein kulturelles Rahmenprogramm.

Antifaschismus heißt nicht nur, gegen Nazis zu sein, sondern auch, die herrschenden Verhältnisse, die aus sich heraus immer wieder faschistische Tendenzen hervorbringen, radikal zu kritisieren. Daher reicht die Palette der Veranstaltungen auch in diesem Jahr wieder von praktischen Tipps und Tricks für den antifaschistischen Alltag über Einführungsveranstaltungen zu den verschiedensten Bereichen linksradikaler Gesellschaftskritik bis hin zu Vorträgen und Diskussionen zu aktuellen Debatten und traditionellen Streitfragen der kommunistischen Linken.

Der Teilnahmebeitrag liegt bei 20 €. Schlafsack und Isomatte solltet ihr selbst mitbringen, für alles andere ist gesorgt. Das vorläufige Programm und alle weiteren wichtigen Infos findet ihr frühzeitig auf der Website des Camps.

 

Antifa Camp | 03. – 07. August 2011 | Druckluft Oberhausen

you can´t be neutral on a moving train

Am 26.03. demonstriert die Assoziation gegen Antisemitismus und Israelfeindschaft NRW um 14.00 am Bertha-von-Suttner-Platz 1 in Düsseldorf gegen die in den Räumlichkeiten der Volkshochschule gezeigte geschichtsrevisionistische Ausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“.

 

Aufruf:
you can´t be neutral on a moving train.
Israel und die Nakba.
Bilder einer Ausstellung.

Vom 16. bis 31.3 prä­sen­tiert die Düs­sel­dor­fer Volks­hoch­schu­le in ihren Räum­lich­kei­ten die Wan­der­aus­stel­lung „Die Nakba – Flucht und Ver­trei­bung der Pa­läs­ti­nen­ser 1948“. Seit ei­ni­gen Jah­ren tin­gelt die vom Ver­ein „Flücht­lings­kin­der im Li­ba­non“ kon­zi­pier­te Aus­stel­lung be­reits durch Deutsch­land – und sorgt (be­rech­tig­ter­wei­se) für ei­ni­ge Kri­tik.

Der Be­griff „Nakba“ stammt ur­sprüng­lich von dem sy­ri­schen His­to­ri­ker Con­stan­tin Zu­reiq – einem in­tel­lek­tu­el­len Be­für­wor­ter der Aus­bil­dung einer „ara­bi­schen Na­tio­nalphi­lo­so­phie“. In sei­nem be­reits 1948 er­schie­nen Werk „The Mea­ning of the Di­sas­ter“ de­fi­niert er die­sen als po­li­ti­schen Kampf­be­griff – als „mo­ra­li­sches Ge­gen­ge­wicht“ – gegen den un­ge­heu­er auf­ge­la­de­nen Be­griff der Shoa.

Die hier ge­zeig­te Aus­stel­lung folgt die­ser Linie: Die „Nakba“ wird als na­tio­na­le Ka­ta­stro­phe kon­stru­iert und im­pli­zit wer­den Ana­lo­gi­en zur Ver­nich­tung der eu­ro­päi­schen Jü­din­nen und Juden ge­zo­gen, wäh­rend der Zio­nis­mus gleich­zei­tig als per­fi­de ideo­lo­gi­sche Grund­la­ge zur „Land­nah­me“ und „Ver­trei­bung“ cha­rak­te­ri­siert wird. Es wird je­doch völ­lig außer Acht ge­las­sen, dass nach kon­ti­nu­ier­li­cher und sys­te­ma­ti­scher Ver­fol­gung der Jü­din­nen und Juden, wel­ches in der Shoa kul­mi­nier­te, es mehr als drin­gend und nötig war einen jü­di­schen Staat zu­grün­den. Über Jahr­hun­der­te hin­weg zeig­te sich, dass kein Staat fähig oder wil­lens war die Jü­din­nen und Juden die­ser Welt zu schüt­zen. Somit ist aus jeder his­to­risch be­wuss­ten und kri­ti­schen Hin­sicht das Exis­tenz­recht Is­raels in keins­ter Weise ver­han­del­bar. An­ge­sichts die­ser Grund­la­ge muss die völ­lig ent­kon­textua­li­sier­te und den his­to­ri­schen Fak­ten wi­der­spre­chen­de Dar­stel­lung der Er­eig­nis­se in der ge­nann­ten Aus­stel­lung als offen ge­schichts­re­vi­sio­nis­tisch und an­ti­jü­disch be­zeich­net wer­den.

 

Ei­ni­ge Bei­spie­le?

Seit etwa 1936 häuf­ten sich im da­ma­li­gen bri­ti­schen Man­dats­ge­biet Pa­läs­ti­na an­ti­se­mi­ti­sche Po­gro­me, die von der pa­läs­ti­nen­si­schen Füh­rung mit teils na­tio­na­lis­ti­scher, teils re­li­gi­ös-​is­la­mis­ti­scher Pro­pa­gan­da an­ge­sta­chelt wur­den. In der Wan­der­aus­stel­lung wer­den diese je­doch eu­phe­mis­tisch als “pa­läs­ti­nen­sisch-​ara­bi­scher Wi­der­stand“ ge­fei­ert. Der Groß­muf­ti von Je­ru­sa­lem, Amin-​al-​Hus­s­ei­ni, wird aus guten Grün­den mit kei­nem Wort er­wähnt: Seine an­ti­se­mi­ti­schen Hetz­ti­ra­den, seine Ver­ant­wor­tung für die Po­gro­me und seine of­fe­ne Kol­la­bo­ra­ti­on mit Na­zi-​Deutsch­land vor und wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs wür­den das sorg­sam ge­klit­ter­te Ge­schichts­bild auch emp­find­lich stö­ren.

Die Dar­stel­lung des Is­rae­lisch-​ara­bi­schen Krie­ges von 1948 be­ginnt mit der durch­aus rich­ti­gen Fest­stel­lung, dass die pa­läs­ti­nen­si­sche Füh­rung den UN-​Tei­lungs­plan rund­her­aus ab­lehn­te, wäh­rend sich Is­ra­el ein­ver­stan­den er­klär­te. Dar­auf­hin er­klär­ten die ara­bi­schen Staa­ten Ägyp­ten, Sy­ri­en, Trans­jor­da­ni­en, Sau­di-​Ara­bi­en, Li­ba­non und Irak dem neu ge­grün­de­ten Staat Is­ra­el den Krieg. So­weit, so un­leug­bar. Hier­aus wird je­doch nicht die ein­zig lo­gi­sche Schluss­fol­ge­rung ge­zo­gen – dass das kom­pro­miss­lo­se Ver­hal­ten der pa­läs­ti­nen­si­schen und ara­bi­schen Füh­rung zu­min­dest mit­ver­ant­wort­lich ist für die Ver­trei­bung von etwa 750000 Pa­läs­ti­nen­sern (die nur im Kon­text des Krie­ges er­klärt wer­den kann). Statt­des­sen wer­den die ara­bi­schen Staa­ten im Rah­men die­ser Aus­stel­lung per­fi­der Weise für ihr „zu zö­ger­li­ches mi­li­tä­ri­sches Ein­grei­fen“ ge­rügt. Dass es wäh­rend des Bür­ger­krie­ges im bri­ti­schen Man­dats­ge­biet ab 1947 zudem viele von ara­bi­schen Mi­li­zen be­gan­ge­ne Mas­sa­ker in jü­di­schen Dör­fern ge­ge­ben hat, wie z.B. 1948 in Kfar Et­zi­on, wird aus­ge­blen­det.

Un­er­wähnt bleibt im Kon­text die­ser Aus­stel­lung zudem die kon­kre­te Po­li­tik der ara­bi­schen Staa­ten ge­gen­über den pa­läs­ti­nen­si­schen Men­schen: Die krieg­füh­ren­den Staa­ten for­der­ten die pa­läs­ti­nen­si­sche Be­völ­ke­rung schon vor Kriegs­be­ginn dazu auf ihre Dör­fer zu ver­las­sen, um sie als Ma­nö­vrier­mas­se gegen Is­ra­el in der Hand zu hal­ten. Zudem ver­wei­ger­ten (außer Jor­da­ni­en) sämt­li­che ara­bi­sche Staa­ten die An­er­ken­nung der pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­ge als gleich­be­rech­tig­te Staats­bür­ger. Bis heute leben sie (so bei­spiels­wei­se in Ägyp­ten und im Li­ba­non) in La­gern – als „Bür­ger“ zwei­ter Klas­se. So muss man sich vor Augen füh­ren, dass diese Men­schen seit über 60 Jah­ren ohne jeg­li­che recht­li­chen An­er­ken­nun­gen sei­tens der ara­bi­schen Län­der unter un­zu­mut­ba­ren Be­din­gun­gen in Flücht­lings­la­gern leben. Ob­wohl viele von ihnen in die­sen La­gern, also auf ara­bi­schem Boden, ge­bo­ren wor­den sind, wer­den ihnen jeg­li­che staats­bür­ger­li­chen Rech­te ver­wei­gert. So soll­te an Stel­le der un­rea­lis­ti­schen und ideo­lo­gisch mo­ti­vier­ten For­de­rung nach einem „Rück­keh­recht“ viel eher die re­al­po­li­ti­sche For­de­rung ste­hen, diese Men­schen als ara­bi­sche Bür­ger an­zu­er­ken­nen.

Was aber würde pas­sie­ren, soll­te die eth­no-​de­ter­mi­nis­ti­sche und im Grun­de einer ag­gres­si­ven Blut-​und-​Bo­den-​Ideo­lo­gie ver­haf­te­te For­de­rung nach einer Rück­kehr der seit über 60 Jah­ren (das heißt seit circa drei Ge­ne­ra­tio­nen) in an­de­ren Län­dern le­ben­den Flücht­lin­ge po­li­ti­sche Wirk­lich­keit wer­den? Schon bei der Be­trach­tung der auf­ge­führ­ten Zah­len (5 Mio. Flücht­lin­ge) wird deut­lich, dass of­fen­bar die Er­war­tung vor­liegt, dass auch die Nach­fah­ren der da­ma­li­gen Flücht­lin­ge (rund 750.​000) ein Rück­kehr­recht nach Is­ra­el hät­ten, eine For­de­rung auf Grund­la­ge einer ri­gi­den Blut-​und-​Bo­den-​Ideo­lo­gie. Die hier for­mu­lier­te Kri­tik be­zieht sich nicht auf die For­de­rung eines Rück­kehr­rechts für ur­sprüng­lich ver­trie­be­ne bzw. ge­flüch­te­te Men­schen und Fa­mi­li­en, son­dern auf die im­pli­zier­te Ideo­lo­gie. Die Rück­kehr von schät­zungs­wei­se 5 Mil­lio­nen pa­läs­ti­nen­si­schen „Flücht­lin­gen“ ins is­rae­li­sche Kern­land hätte ohne jeden Zwei­fel ein Ende des Staa­tes Is­ra­el zur Folge. Jedes wei­te­re Be­mü­hen um An­nä­he­rung und ein Ge­lin­gen des Frie­dens­pro­zes­ses wäre damit end­gül­tig hin­fäl­lig. Hier­hin eine For­de­rung nach einer „Rein­hal­tung“ Is­raels in einem ras­sis­ti­schen und na­tio­na­lis­ti­schen Sinne zu ver­ste­hen, wäre völ­lig ver­fehlt. Es steht außer Frage, dass Is­ra­el der ein­zi­ge Staat auf die­ser Welt ist, wel­cher es ver­mag allen Men­schen vor An­ti­se­mi­tis­mus und darin be­grün­de­ter Ver­fol­gung Schutz zu bie­ten. Ge­ra­de im ara­bi­schen Raum sind An­ti­se­mi­tis­mus und an­ti­se­mi­tisch auf­ge­la­de­ner An­ti­zio­nis­mus weit­ver­brei­tet und stel­len für alle Jü­din­nen und Juden eine ele­men­ta­re Ge­fahr da. So­lan­ge dies der Fall ist, muss es einen jü­di­schen Staat mit einer si­che­ren jü­di­schen Mehr­heit geben. Frei­lich ist es zu­nächst Spe­ku­la­ti­on, was kon­kret pas­sie­ren würde, wür­den Men­schen, die auf Basis an­ti­se­mi­ti­scher Kli­schees so­zia­li­siert wur­den, nach Is­ra­el “zu­rück­keh­ren” kön­nen. Doch soll­te jeder Mensch mit kri­ti­schem Be­wusst­sein nicht ge­wollt sein die­ses Sze­na­rio auf die Probe zu stel­len.

 

Dar­über hin­aus soll­te auch in be­son­de­rer Weise dar­ge­stellt wer­den, wel­che ekla­tan­ten Un­ter­schie­de zwi­schen den Ver­ge­sell­schaf­tungs­for­me n der ara­bi­schen Staa­ten und der pa­läs­ti­nen­si­schen Ver­wal­tung auf der einen und dem is­rae­li­schen Staat auf der an­de­ren Seite be­ste­hen. Der Staat Is­ra­el hat sich vor dem Hin­ter­grund rei­ner Ne­ga­ti­vi­tät ge­grün­det – vor dem Hin­ter­grund einer jahr­hun­der­te­al­ten Ver­fol­gungs­ge­schich­te, so­wohl in den bür­ger­li­chen Ge­sell­schaf­ten des Wes­tens als auch den ara­bi­schen des Nahen Os­tens. Es war und ist kein Zu­fall, dass (neben dem in der deut­schen Volks­ge­mein­schaft stets sei­nen ge­fähr­lichs­ten Ag­gre­gat­zu­stand er­rei­chen­den An­ti­se­mi­tis­mus) ge­ra­de die ara­bi­sche Welt einen in wei­ten Schich­ten ver­brei­te­ten Ju­den­hass seit lan­gem kul­ti­viert und ra­di­ka­li­siert. Wenn die Hamas in ihrem Pro­gramm ver­kün­det die „Juden ins Meer wer­fen“ zu wol­len und eben jene Or­ga­ni­sa­ti­on weite Teile der pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­bie­te kon­trol­liert bzw. kon­trol­lie­ren kann, so ist dies nicht Aus­druck eines Wi­der­spruchs son­dern einer Zwangs­läu­fig­keit.
Dem­ent­spre­chend gilt es die kon­kre­te Po­li­tik Is­raels im Kon­text sei­ner Ge­schich­te als Pro­jekt der Über­le­ben­den, als Ret­tungs­in­sel der von glo­ba­len an­ti­se­mi­ti­schen An­grif­fen (und damit vom kol­lek­ti­ven Mord) Be­droh­ten nach­zu­voll­zie­hen. Is­ra­el ist ein klei­ner Staat, der sich seit sei­nem Be­ste­hen vie­ler An­grif­fe er­weh­ren muss­te und der ge­ra­de in der Phase sei­ner äu­ßer­li­chen und in­ner­li­chen Kon­sti­tu­ie­rung mit Si­cher­heit keine ex­pan­sio­nis­tisch-​im­pe­ria­lis­ti­schen Ziele ver­folg­te. Das Ziel das die­ser Staat viel­mehr seit sei­ner Grün­dung ver­folgt ist die (end­li­che) Ein­lö­sung des bür­ger­li­chen Glücks­ver­spre­chens für seine Be­woh­ner. Dies gilt es an­zu­er­ken­nen, bevor man sich daran macht über Ge­schich­te und Rolle des is­rae­li­schen Staa­tes zu ur­tei­len oder gar eine Aus­stel­lung zu kon­zi­pie­ren, in der von „Land­nah­me“, „Ter­ror­ak­ten“ und „Ver­trei­bung“ die Rede ist.

 

Wem aber die­nen eine sol­che Aus­stel­lung und die darin trans­por­tier­ten In­hal­te letzt­lich? Ähn­lich wie My­then und Sti­li­sie­rung der deut­schen Ver­trie­be­nen­ver­bän­de dient die In­stru­men­ta­li­sie­rung der Nakba der Ma­ni­fe­sta­ti­on und in­fer­na­len Fest­schrei­bung eines ver­lo­ren­ge­gan­ge­nen An­spruchs. Sie dient einer rück­wärts­ge­wand­ten Sta­bi­li­sie­rung. Die Angst aus der Ge­schich­te her­aus­zu­fal­len wird auf diese Weise ge­bannt und der pa­läs­ti­nen­si­sche Op­fer­my­thos zur ste­ten Dro­hung ge­gen­über allen, die mit den rea­len po­li­ti­schen Ge­ge­ben­hei­ten leben oder gar zu einem fried­li­chen Mit­ein­an­der fort­schrei­ten wol­len. So bleibt die per­ma­nen­te The­ma­ti­sie­rung der Nakba (zumal in der hier ge­zeig­ten Form – als krude An­ein­an­der­rei­hung his­to­risch ein­sei­ti­ger Aus­le­gun­gen und be­wusst lü­cken­haf­ter Dar­stel­lun­gen) ein Me­ne­tekel über dem Haupt Is­raels. Und dies gilt es in jedem Falle mit allen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln zu kri­ti­sie­ren! So ist das Pro­blem nicht die The­ma­ti­sie­rung der Ver­trei­bun­gen, son­dern ihre en­kon­textua­li­sier­te und ge­schichts­re­vi­sio­nis­ti­sche Dar­stel­lung, die of­fen­kun­dig dem Zweck dient das Exis­tenz­recht Is­raels in Frage zu stel­len. Noch Jahre nach der „Nakba“ wur­den in etwa 800. 000 Jü­din­nen und Juden aus den ara­bi­schen Staa­ten nach Is­ra­el ver­trie­ben. So lange also An­ti­se­mi­tis­mus und An­ti­zio­nis­mus vor­herr­schen, gilt es, jen­seits des his­to­ri­sier­ten Nak­ba-​Dis­kur­ses, prak­ti­sche Par­tei­nah­me für den Staat Is­ra­el und für die Si­cher­heit und Sou­ve­rä­ni­tät der is­rae­li­schen Be­völ­ke­rung zu er­grei­fen!

 

In diesem Sinne back to where we started:
you can´t be neutral on a moving train…

 

Assoziation gegen Antisemitismus und Israelfeindschaft NRW // 03/11

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