antifaschistische und kommunistische gruppen aus nrw http://nrw.blogsport.de Sat, 08 Oct 2011 16:40:11 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en [pause] http://nrw.blogsport.de/2011/10/08/pause/ http://nrw.blogsport.de/2011/10/08/pause/#comments Sat, 08 Oct 2011 16:34:34 +0000 et2c allgemein http://nrw.blogsport.de/2011/10/08/pause/  

erstmal Pause

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Seminar zur Aktualität der Kritischen Theorie http://nrw.blogsport.de/2011/05/13/seminar-zur-aktualitaet-der-kritischen-theorie/ http://nrw.blogsport.de/2011/05/13/seminar-zur-aktualitaet-der-kritischen-theorie/#comments Fri, 13 May 2011 06:13:54 +0000 et2c allgemein http://nrw.blogsport.de/2011/05/13/seminar-zur-aktualitaet-der-kritischen-theorie/ eine Einführung in grundlegende Fragestellungen

10./11.06.2011 | Club Courage | Münster

Die Vorwürfe an die Kritische Theorie sind bekannt: Anstatt sich mit den revoltierenden StudentInnen zu solidarisieren, hätten deren Vertreter sich aus der Praxis in die Kunst und den Konservatismus geflüchtet und sich ausschließlich der Produktion von nur schwer zugänglicher Theorie gewidmet. Zudem belege bereits das dunkle und pessimistische Hauptwerk „Dialektik der Aufklärung“, dass die Kritische Theorie die Möglichkeit der Einrichtung einer besseren Gesellschaft verworfen habe. Gegen diese Leseart der Kritischen Theorie sollen im Seminar grundlegende Fragestellungen der Kritischen Theorie, vor allem der Haupttheoretiker Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, vorgestellt werden. Es soll diskutiert werden, ob die Kritische Theorie nicht gegen die schon lange verselbstständigte „dunkle“ Interpretation nach wie vor ein gesellschaftskritisches Potential birgt.

Adornos Text „Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft“ steht im Mittelpunkt des Seminars. Davon ausgehend werden wir uns damit auseinandersetzen, wie die Kritische Theorie das Verhältnis von Staat, Gesellschaft, Individuum und Kultur/Kulturindustrie im Übergang vom liberalen zum verwalteten Kapitalismus versteht. Es wird zu fragen sein, wie die Kritische Theorie zum Verständnis aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen beitragen kann.

Seminartage:
Freitag, 10.Juni 17:30-20:30 Uhr
Samstag, 11.Juni 10:30-18:00 Uhr

Club Courage, Friedensstraße 42 (Hinterhof), 48145 Münster

Eine Anmeldung unter KritischeTheorieMS@googlemail.com ist erwünscht, aber nicht zwingend erforderlich. Nach der Anmeldung werden die vor dem Seminar zu studierende Textgrundlage sowie weitere Informationen zum Ablauf zugesandt.
Die Teilnahme ist selbstverständlich kostenlos.

Eine Veranstaltung der Gruppe et2c.

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7.5.2011: Protest gegen die „Palästina-Konferenz“ in Wuppertal http://nrw.blogsport.de/2011/05/04/7-5-2011-protest-gegen-die-palaestina-konferenz-in-wuppertal/ http://nrw.blogsport.de/2011/05/04/7-5-2011-protest-gegen-die-palaestina-konferenz-in-wuppertal/#comments Wed, 04 May 2011 12:30:37 +0000 et2c action http://nrw.blogsport.de/2011/05/04/7-5-2011-protest-gegen-die-palaestina-konferenz-in-wuppertal/ Am 7. Mai 2011 soll in Wup­per­tal unter dem Motto „Die Ge­ne­ra­ti­on der Rück­kehr kennt ihren Weg“ eine Pa­läs­ti­na-​Kon­fe­renz statt­fin­den, bei der pa­läs­ti­nen­si­sche Fein­de Is­raels, Fein­de des Frie­dens und Un­ter­stüt­zer des is­la­mis­ti­schen Ter­ro­ris­mus für ein Ende des jü­di­schen Staa­tes ein­tre­ten.

Es wird ab 10:30 Uhr eine Gegenkundgebung direkt vor der Uni-Halle geben. Anschließend ist ab 15 Uhr eine weitere Kundegebung in der Innenstadt auf dem Kerstenplatz in Wuppertal Elberfeld angemeldet.

Für (weitere) Aufrufe, Aktuelles und Informationen ist verwiesen auf:
» antisemitischekonferenzstoppen.blogspot.com

 

Es folgt der vor­läu­fi­ge Auf­ruf des Mi­de­ast Free­dom Forum Ber­lins:

Das von den Kon­fe­renz-​Or­ga­ni­sa­to­ren als „un­ver­han­del­bar“ be­zeich­ne­te Recht auf „Rück­kehr“ pa­läs­ti­nen­si­scher „Flücht­lin­ge“ ist nicht mehr als eine men­schen­recht­lich ver­bräm­te Kampf­pa­ro­le gegen jede fried­li­che is­rae­lisch-​pa­läs­ti­nen­si­sche Ver­hand­lungs­lö­sung. Die an­geb­li­chen Flücht­lin­ge sind heute Mil­lio­nen von Pa­läs­ti­nen­sern, die nach der Staats­grün­dung Is­raels ge­bo­ren wur­den, und denen von ara­bi­scher Seite in jor­da­ni­schen und li­ba­ne­si­schen Flücht­lings­la­gern grund­le­gen­de Rech­te vor­ent­hal­ten wer­den. Ihre „Rück­kehr“ soll ein Ende des jü­di­schen Staa­tes Is­ra­el brin­gen, ein Ziel, das den Or­ga­ni­sa­to­ren wich­ti­ger ist als ein de­mo­kra­ti­scher pa­läs­ti­nen­si­scher Staat. Diese Hal­tung stellt auch in den pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­bie­ten eine töd­li­che Be­dro­hung für alle kom­pro­miss­be­rei­ten Kräf­te dar, die von pa­läs­ti­nen­si­schen Na­tio­na­lis­ten und Is­la­mis­ten als „Ver­rä­ter“ ver­folgt und er­mor­det wer­den.

Die Nähe des zu den Kon­fe­renz-​Or­ga­ni­sa­to­ren ge­hö­ren­den „Pa­les­ti­ni­an Re­turn Cen­ter“ zur is­la­mis­ti­schen, an­ti­se­mi­ti­schen und in Deutsch­land als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ver­bo­te­nen Hamas sind wohl­be­legt, Ha­mas-​Ver­tre­ter wer­den als Red­ner er­war­tet. Hamas hat nach dem voll­stän­di­gen is­rae­li­schen Rück­zug aus dem Ga­za-​Strei­fen ein is­la­mis­ti­sches Ter­ror­re­gime er­rich­tet, schon Kin­der wer­den sys­te­ma­tisch is­la­mis­tisch und an­ti­se­mi­tisch ver­hetzt, Frau­en un­ter­drückt, Ho­mo­se­xu­el­le ver­folgt, un­lieb­sa­me Me­di­en ge­schlos­sen, Pro­tes­te zer­schla­gen. Zudem wur­den tau­sen­de Ra­ke­ten auf Is­ra­el ab­ge­feu­ert, zu­letzt ge­zielt auf einen is­rae­li­schen Schul­bus. Ähn­li­che Ent­wick­lun­gen in der West­bank sowie die kürz­lich er­folg­te Ei­ni­gung zwi­schen Hamas und Fatah zei­gen ein­mal mehr die Ziele der do­mi­nan­ten pa­läs­ti­nen­si­schen Po­li­tik, die von deut­schen Po­li­ti­kern und Me­di­en noch immer igno­riert oder gar un­ter­stützt wer­den.

Zu die­sen Zie­len zäh­len eine Ver­wei­ge­rungs­hal­tung ge­gen­über di­rek­ten Ver­hand­lun­gen, die Nicht­an­er­ken­nung des jü­di­schen Cha­rak­ter Is­raels und die kaum ver­hehl­te Hoff­nung den Staat Is­ra­el der­einst durch de­mo­gra­phi­sche Ent­wick­lun­gen zu be­sei­ti­gen. Die Ei­ni­gung auf eine Ein­heits­re­gie­rung mit der ter­ro­ris­ti­schen Hamas lässt jeg­li­chen Frie­dens­wil­len ver­mis­sen und steht klar für eine po­li­ti­sche Aus­rich­tung, die – wie so oft in der Ver­gan­gen­heit – trotz is­rae­li­scher Zu­ge­ständ­nis­se je­der­zeit be­reit ist Ter­ro­ris­mus zur Durch­set­zung der ei­ge­nen Ziele an­zu­wen­den, wenn es der Pa­lästri­nen­si­schen Au­to­no­mie­be­hör­de nütz­lich er­scheint.

Wir for­dern die Stadt Wup­per­tal auf, ihre Un­ter­stüt­zung für die Kon­fe­renz zu­rück­zu­zie­hen und ihre Räume nicht zur Ver­fü­gung zu stel­len. In jedem Fall wer­den wir am Sams­tag in Wup­per­tal de­mons­trie­ren:

Gegen Is­la­mis­mus, An­ti­se­mi­tis­mus und den Pro­pa­gan­da­krieg gegen Is­ra­el – Für einen de­mo­kra­ti­schen und fried­li­chen Nahen Osten mit einem an­er­kann­ten jü­di­schen Staat.

Mi­de­ast Free­dom Forum Ber­lin e.V., 2.​5.​2011.

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Antifa Camp 2011 http://nrw.blogsport.de/2011/04/14/antifa-camp-2011/ http://nrw.blogsport.de/2011/04/14/antifa-camp-2011/#comments Thu, 14 Apr 2011 15:15:44 +0000 et2c antifacamp http://nrw.blogsport.de/2011/04/14/antifa-camp-2011/ Bereits zum elften Mal findet in diesem Jahr das Antifacamp in Oberhausen statt. Auf dem Gelände des mittlerweile komplett renovierten und umgebauten Kulturzentrums Druckluft gibt es neben Vorträgen, Seminaren, Workshops und Diskussionen in gewohnter Spitzenqualität auch wieder Übernachtungsmöglichkeiten, vegane Vollverpflegung und ein kulturelles Rahmenprogramm.

Antifaschismus heißt nicht nur, gegen Nazis zu sein, sondern auch, die herrschenden Verhältnisse, die aus sich heraus immer wieder faschistische Tendenzen hervorbringen, radikal zu kritisieren. Daher reicht die Palette der Veranstaltungen auch in diesem Jahr wieder von praktischen Tipps und Tricks für den antifaschistischen Alltag über Einführungsveranstaltungen zu den verschiedensten Bereichen linksradikaler Gesellschaftskritik bis hin zu Vorträgen und Diskussionen zu aktuellen Debatten und traditionellen Streitfragen der kommunistischen Linken.

Der Teilnahmebeitrag liegt bei 20 €. Schlafsack und Isomatte solltet ihr selbst mitbringen, für alles andere ist gesorgt. Das vorläufige Programm und alle weiteren wichtigen Infos findet ihr frühzeitig auf der Website des Camps.

 

Antifa Camp | 03. – 07. August 2011 | Druckluft Oberhausen

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you can´t be neutral on a moving train http://nrw.blogsport.de/2011/03/18/44/ http://nrw.blogsport.de/2011/03/18/44/#comments Fri, 18 Mar 2011 08:22:55 +0000 et2c action http://nrw.blogsport.de/2011/03/18/44/ Am 26.03. demonstriert die Assoziation gegen Antisemitismus und Israelfeindschaft NRW um 14.00 am Bertha-von-Suttner-Platz 1 in Düsseldorf gegen die in den Räumlichkeiten der Volkshochschule gezeigte geschichtsrevisionistische Ausstellung „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“.

 

Aufruf:
you can´t be neutral on a moving train.
Israel und die Nakba.
Bilder einer Ausstellung.

Vom 16. bis 31.3 prä­sen­tiert die Düs­sel­dor­fer Volks­hoch­schu­le in ihren Räum­lich­kei­ten die Wan­der­aus­stel­lung „Die Nakba – Flucht und Ver­trei­bung der Pa­läs­ti­nen­ser 1948“. Seit ei­ni­gen Jah­ren tin­gelt die vom Ver­ein „Flücht­lings­kin­der im Li­ba­non“ kon­zi­pier­te Aus­stel­lung be­reits durch Deutsch­land – und sorgt (be­rech­tig­ter­wei­se) für ei­ni­ge Kri­tik.

Der Be­griff „Nakba“ stammt ur­sprüng­lich von dem sy­ri­schen His­to­ri­ker Con­stan­tin Zu­reiq – einem in­tel­lek­tu­el­len Be­für­wor­ter der Aus­bil­dung einer „ara­bi­schen Na­tio­nalphi­lo­so­phie“. In sei­nem be­reits 1948 er­schie­nen Werk „The Mea­ning of the Di­sas­ter“ de­fi­niert er die­sen als po­li­ti­schen Kampf­be­griff – als „mo­ra­li­sches Ge­gen­ge­wicht“ – gegen den un­ge­heu­er auf­ge­la­de­nen Be­griff der Shoa.

Die hier ge­zeig­te Aus­stel­lung folgt die­ser Linie: Die „Nakba“ wird als na­tio­na­le Ka­ta­stro­phe kon­stru­iert und im­pli­zit wer­den Ana­lo­gi­en zur Ver­nich­tung der eu­ro­päi­schen Jü­din­nen und Juden ge­zo­gen, wäh­rend der Zio­nis­mus gleich­zei­tig als per­fi­de ideo­lo­gi­sche Grund­la­ge zur „Land­nah­me“ und „Ver­trei­bung“ cha­rak­te­ri­siert wird. Es wird je­doch völ­lig außer Acht ge­las­sen, dass nach kon­ti­nu­ier­li­cher und sys­te­ma­ti­scher Ver­fol­gung der Jü­din­nen und Juden, wel­ches in der Shoa kul­mi­nier­te, es mehr als drin­gend und nötig war einen jü­di­schen Staat zu­grün­den. Über Jahr­hun­der­te hin­weg zeig­te sich, dass kein Staat fähig oder wil­lens war die Jü­din­nen und Juden die­ser Welt zu schüt­zen. Somit ist aus jeder his­to­risch be­wuss­ten und kri­ti­schen Hin­sicht das Exis­tenz­recht Is­raels in keins­ter Weise ver­han­del­bar. An­ge­sichts die­ser Grund­la­ge muss die völ­lig ent­kon­textua­li­sier­te und den his­to­ri­schen Fak­ten wi­der­spre­chen­de Dar­stel­lung der Er­eig­nis­se in der ge­nann­ten Aus­stel­lung als offen ge­schichts­re­vi­sio­nis­tisch und an­ti­jü­disch be­zeich­net wer­den.

 

Ei­ni­ge Bei­spie­le?

Seit etwa 1936 häuf­ten sich im da­ma­li­gen bri­ti­schen Man­dats­ge­biet Pa­läs­ti­na an­ti­se­mi­ti­sche Po­gro­me, die von der pa­läs­ti­nen­si­schen Füh­rung mit teils na­tio­na­lis­ti­scher, teils re­li­gi­ös-​is­la­mis­ti­scher Pro­pa­gan­da an­ge­sta­chelt wur­den. In der Wan­der­aus­stel­lung wer­den diese je­doch eu­phe­mis­tisch als “pa­läs­ti­nen­sisch-​ara­bi­scher Wi­der­stand“ ge­fei­ert. Der Groß­muf­ti von Je­ru­sa­lem, Amin-​al-​Hus­s­ei­ni, wird aus guten Grün­den mit kei­nem Wort er­wähnt: Seine an­ti­se­mi­ti­schen Hetz­ti­ra­den, seine Ver­ant­wor­tung für die Po­gro­me und seine of­fe­ne Kol­la­bo­ra­ti­on mit Na­zi-​Deutsch­land vor und wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs wür­den das sorg­sam ge­klit­ter­te Ge­schichts­bild auch emp­find­lich stö­ren.

Die Dar­stel­lung des Is­rae­lisch-​ara­bi­schen Krie­ges von 1948 be­ginnt mit der durch­aus rich­ti­gen Fest­stel­lung, dass die pa­läs­ti­nen­si­sche Füh­rung den UN-​Tei­lungs­plan rund­her­aus ab­lehn­te, wäh­rend sich Is­ra­el ein­ver­stan­den er­klär­te. Dar­auf­hin er­klär­ten die ara­bi­schen Staa­ten Ägyp­ten, Sy­ri­en, Trans­jor­da­ni­en, Sau­di-​Ara­bi­en, Li­ba­non und Irak dem neu ge­grün­de­ten Staat Is­ra­el den Krieg. So­weit, so un­leug­bar. Hier­aus wird je­doch nicht die ein­zig lo­gi­sche Schluss­fol­ge­rung ge­zo­gen – dass das kom­pro­miss­lo­se Ver­hal­ten der pa­läs­ti­nen­si­schen und ara­bi­schen Füh­rung zu­min­dest mit­ver­ant­wort­lich ist für die Ver­trei­bung von etwa 750000 Pa­läs­ti­nen­sern (die nur im Kon­text des Krie­ges er­klärt wer­den kann). Statt­des­sen wer­den die ara­bi­schen Staa­ten im Rah­men die­ser Aus­stel­lung per­fi­der Weise für ihr „zu zö­ger­li­ches mi­li­tä­ri­sches Ein­grei­fen“ ge­rügt. Dass es wäh­rend des Bür­ger­krie­ges im bri­ti­schen Man­dats­ge­biet ab 1947 zudem viele von ara­bi­schen Mi­li­zen be­gan­ge­ne Mas­sa­ker in jü­di­schen Dör­fern ge­ge­ben hat, wie z.B. 1948 in Kfar Et­zi­on, wird aus­ge­blen­det.

Un­er­wähnt bleibt im Kon­text die­ser Aus­stel­lung zudem die kon­kre­te Po­li­tik der ara­bi­schen Staa­ten ge­gen­über den pa­läs­ti­nen­si­schen Men­schen: Die krieg­füh­ren­den Staa­ten for­der­ten die pa­läs­ti­nen­si­sche Be­völ­ke­rung schon vor Kriegs­be­ginn dazu auf ihre Dör­fer zu ver­las­sen, um sie als Ma­nö­vrier­mas­se gegen Is­ra­el in der Hand zu hal­ten. Zudem ver­wei­ger­ten (außer Jor­da­ni­en) sämt­li­che ara­bi­sche Staa­ten die An­er­ken­nung der pa­läs­ti­nen­si­schen Flücht­lin­ge als gleich­be­rech­tig­te Staats­bür­ger. Bis heute leben sie (so bei­spiels­wei­se in Ägyp­ten und im Li­ba­non) in La­gern – als „Bür­ger“ zwei­ter Klas­se. So muss man sich vor Augen füh­ren, dass diese Men­schen seit über 60 Jah­ren ohne jeg­li­che recht­li­chen An­er­ken­nun­gen sei­tens der ara­bi­schen Län­der unter un­zu­mut­ba­ren Be­din­gun­gen in Flücht­lings­la­gern leben. Ob­wohl viele von ihnen in die­sen La­gern, also auf ara­bi­schem Boden, ge­bo­ren wor­den sind, wer­den ihnen jeg­li­che staats­bür­ger­li­chen Rech­te ver­wei­gert. So soll­te an Stel­le der un­rea­lis­ti­schen und ideo­lo­gisch mo­ti­vier­ten For­de­rung nach einem „Rück­keh­recht“ viel eher die re­al­po­li­ti­sche For­de­rung ste­hen, diese Men­schen als ara­bi­sche Bür­ger an­zu­er­ken­nen.

Was aber würde pas­sie­ren, soll­te die eth­no-​de­ter­mi­nis­ti­sche und im Grun­de einer ag­gres­si­ven Blut-​und-​Bo­den-​Ideo­lo­gie ver­haf­te­te For­de­rung nach einer Rück­kehr der seit über 60 Jah­ren (das heißt seit circa drei Ge­ne­ra­tio­nen) in an­de­ren Län­dern le­ben­den Flücht­lin­ge po­li­ti­sche Wirk­lich­keit wer­den? Schon bei der Be­trach­tung der auf­ge­führ­ten Zah­len (5 Mio. Flücht­lin­ge) wird deut­lich, dass of­fen­bar die Er­war­tung vor­liegt, dass auch die Nach­fah­ren der da­ma­li­gen Flücht­lin­ge (rund 750.​000) ein Rück­kehr­recht nach Is­ra­el hät­ten, eine For­de­rung auf Grund­la­ge einer ri­gi­den Blut-​und-​Bo­den-​Ideo­lo­gie. Die hier for­mu­lier­te Kri­tik be­zieht sich nicht auf die For­de­rung eines Rück­kehr­rechts für ur­sprüng­lich ver­trie­be­ne bzw. ge­flüch­te­te Men­schen und Fa­mi­li­en, son­dern auf die im­pli­zier­te Ideo­lo­gie. Die Rück­kehr von schät­zungs­wei­se 5 Mil­lio­nen pa­läs­ti­nen­si­schen „Flücht­lin­gen“ ins is­rae­li­sche Kern­land hätte ohne jeden Zwei­fel ein Ende des Staa­tes Is­ra­el zur Folge. Jedes wei­te­re Be­mü­hen um An­nä­he­rung und ein Ge­lin­gen des Frie­dens­pro­zes­ses wäre damit end­gül­tig hin­fäl­lig. Hier­hin eine For­de­rung nach einer „Rein­hal­tung“ Is­raels in einem ras­sis­ti­schen und na­tio­na­lis­ti­schen Sinne zu ver­ste­hen, wäre völ­lig ver­fehlt. Es steht außer Frage, dass Is­ra­el der ein­zi­ge Staat auf die­ser Welt ist, wel­cher es ver­mag allen Men­schen vor An­ti­se­mi­tis­mus und darin be­grün­de­ter Ver­fol­gung Schutz zu bie­ten. Ge­ra­de im ara­bi­schen Raum sind An­ti­se­mi­tis­mus und an­ti­se­mi­tisch auf­ge­la­de­ner An­ti­zio­nis­mus weit­ver­brei­tet und stel­len für alle Jü­din­nen und Juden eine ele­men­ta­re Ge­fahr da. So­lan­ge dies der Fall ist, muss es einen jü­di­schen Staat mit einer si­che­ren jü­di­schen Mehr­heit geben. Frei­lich ist es zu­nächst Spe­ku­la­ti­on, was kon­kret pas­sie­ren würde, wür­den Men­schen, die auf Basis an­ti­se­mi­ti­scher Kli­schees so­zia­li­siert wur­den, nach Is­ra­el “zu­rück­keh­ren” kön­nen. Doch soll­te jeder Mensch mit kri­ti­schem Be­wusst­sein nicht ge­wollt sein die­ses Sze­na­rio auf die Probe zu stel­len.

 

Dar­über hin­aus soll­te auch in be­son­de­rer Weise dar­ge­stellt wer­den, wel­che ekla­tan­ten Un­ter­schie­de zwi­schen den Ver­ge­sell­schaf­tungs­for­me n der ara­bi­schen Staa­ten und der pa­läs­ti­nen­si­schen Ver­wal­tung auf der einen und dem is­rae­li­schen Staat auf der an­de­ren Seite be­ste­hen. Der Staat Is­ra­el hat sich vor dem Hin­ter­grund rei­ner Ne­ga­ti­vi­tät ge­grün­det – vor dem Hin­ter­grund einer jahr­hun­der­te­al­ten Ver­fol­gungs­ge­schich­te, so­wohl in den bür­ger­li­chen Ge­sell­schaf­ten des Wes­tens als auch den ara­bi­schen des Nahen Os­tens. Es war und ist kein Zu­fall, dass (neben dem in der deut­schen Volks­ge­mein­schaft stets sei­nen ge­fähr­lichs­ten Ag­gre­gat­zu­stand er­rei­chen­den An­ti­se­mi­tis­mus) ge­ra­de die ara­bi­sche Welt einen in wei­ten Schich­ten ver­brei­te­ten Ju­den­hass seit lan­gem kul­ti­viert und ra­di­ka­li­siert. Wenn die Hamas in ihrem Pro­gramm ver­kün­det die „Juden ins Meer wer­fen“ zu wol­len und eben jene Or­ga­ni­sa­ti­on weite Teile der pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­bie­te kon­trol­liert bzw. kon­trol­lie­ren kann, so ist dies nicht Aus­druck eines Wi­der­spruchs son­dern einer Zwangs­läu­fig­keit.
Dem­ent­spre­chend gilt es die kon­kre­te Po­li­tik Is­raels im Kon­text sei­ner Ge­schich­te als Pro­jekt der Über­le­ben­den, als Ret­tungs­in­sel der von glo­ba­len an­ti­se­mi­ti­schen An­grif­fen (und damit vom kol­lek­ti­ven Mord) Be­droh­ten nach­zu­voll­zie­hen. Is­ra­el ist ein klei­ner Staat, der sich seit sei­nem Be­ste­hen vie­ler An­grif­fe er­weh­ren muss­te und der ge­ra­de in der Phase sei­ner äu­ßer­li­chen und in­ner­li­chen Kon­sti­tu­ie­rung mit Si­cher­heit keine ex­pan­sio­nis­tisch-​im­pe­ria­lis­ti­schen Ziele ver­folg­te. Das Ziel das die­ser Staat viel­mehr seit sei­ner Grün­dung ver­folgt ist die (end­li­che) Ein­lö­sung des bür­ger­li­chen Glücks­ver­spre­chens für seine Be­woh­ner. Dies gilt es an­zu­er­ken­nen, bevor man sich daran macht über Ge­schich­te und Rolle des is­rae­li­schen Staa­tes zu ur­tei­len oder gar eine Aus­stel­lung zu kon­zi­pie­ren, in der von „Land­nah­me“, „Ter­ror­ak­ten“ und „Ver­trei­bung“ die Rede ist.

 

Wem aber die­nen eine sol­che Aus­stel­lung und die darin trans­por­tier­ten In­hal­te letzt­lich? Ähn­lich wie My­then und Sti­li­sie­rung der deut­schen Ver­trie­be­nen­ver­bän­de dient die In­stru­men­ta­li­sie­rung der Nakba der Ma­ni­fe­sta­ti­on und in­fer­na­len Fest­schrei­bung eines ver­lo­ren­ge­gan­ge­nen An­spruchs. Sie dient einer rück­wärts­ge­wand­ten Sta­bi­li­sie­rung. Die Angst aus der Ge­schich­te her­aus­zu­fal­len wird auf diese Weise ge­bannt und der pa­läs­ti­nen­si­sche Op­fer­my­thos zur ste­ten Dro­hung ge­gen­über allen, die mit den rea­len po­li­ti­schen Ge­ge­ben­hei­ten leben oder gar zu einem fried­li­chen Mit­ein­an­der fort­schrei­ten wol­len. So bleibt die per­ma­nen­te The­ma­ti­sie­rung der Nakba (zumal in der hier ge­zeig­ten Form – als krude An­ein­an­der­rei­hung his­to­risch ein­sei­ti­ger Aus­le­gun­gen und be­wusst lü­cken­haf­ter Dar­stel­lun­gen) ein Me­ne­tekel über dem Haupt Is­raels. Und dies gilt es in jedem Falle mit allen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln zu kri­ti­sie­ren! So ist das Pro­blem nicht die The­ma­ti­sie­rung der Ver­trei­bun­gen, son­dern ihre en­kon­textua­li­sier­te und ge­schichts­re­vi­sio­nis­ti­sche Dar­stel­lung, die of­fen­kun­dig dem Zweck dient das Exis­tenz­recht Is­raels in Frage zu stel­len. Noch Jahre nach der „Nakba“ wur­den in etwa 800. 000 Jü­din­nen und Juden aus den ara­bi­schen Staa­ten nach Is­ra­el ver­trie­ben. So lange also An­ti­se­mi­tis­mus und An­ti­zio­nis­mus vor­herr­schen, gilt es, jen­seits des his­to­ri­sier­ten Nak­ba-​Dis­kur­ses, prak­ti­sche Par­tei­nah­me für den Staat Is­ra­el und für die Si­cher­heit und Sou­ve­rä­ni­tät der is­rae­li­schen Be­völ­ke­rung zu er­grei­fen!

 

In diesem Sinne back to where we started:
you can´t be neutral on a moving train…

 

Assoziation gegen Antisemitismus und Israelfeindschaft NRW // 03/11

Kontakt: agai-nrw@Safe-mail.net

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Thomas-Schulz-Gedenkdemo am 02.04. http://nrw.blogsport.de/2011/02/22/43/ http://nrw.blogsport.de/2011/02/22/43/#comments Tue, 22 Feb 2011 10:33:41 +0000 administrator action http://nrw.blogsport.de/2011/02/22/43/
Vor sechs Jahren, am 28. März 2005, wurde der Punker Thomas Schulz von einem Neonazi ermordet. Inmitten der U-Bahn-Station Kampstraße in der Dortmunder Innenstadt wurde Thomas von dem damals 17-jährigen Sven Kahlin niedergestochen. Noch am selben Abend erlag Thomas im Krankenhaus seinen Verletzungen. Sein Mörder wurde daraufhin wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren verurteilt. Eine politische Motivation hatte die I. Große Strafkammer des Dortmunder Landgerichts bei Kahlin nicht erkennen können, auch wollte das Gericht nicht von Mord sprechen, da das “Mordmerkmal der Heimtücke” nicht gegeben gewesen sei.

Dortmunder AntifaschistInnen betreiben seit den Ereignissen am Ostermontag 2005 mit alljährlichen Kundgebungen, Demonstrationen und weiteren Aktionen wie Straßenumbenennungen aktive und erfolgreiche Gedenkpolitik, um auf den Mord und dessen politischen Kontext hinzuweisen. Nicht zuletzt auch der erneute Naziangriff auf die Kneipe Hirsch Q im Dezember 2010 gibt uns allen Anlass im Rahmen der Gedenkdemo auf die recht aktive Neonaziszene in Dortmund hinzuweisen und antifaschistischen Protest auf die Straße zu tragen.

Den ganzen Aufruf lesen. Weiteres Material gibt es hier.

Kommt zur antifaschistischen Demonstration:
02.04.2011 | 16:00 h | Dortmund | Hauptbahnhof (Vorplatz)

Es bleibt dabei: Nichts und niemand ist jemals vergessen!
Kein Vergessen den Opfern neonazistischer Gewalt!
Gegen Neonazis und rechte Gewalt!

Kundgebung in Gedenken an Thomas Schulz
28.03.2011 – 18.30 Uhr – Dortmund [U-Bahnstation Kampstraße]

Achtet auf Ankündigungen und mögliche Änderungen!
http://dab.nadir.org/

 

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Difficĭle est, satĭram non scribĕre http://nrw.blogsport.de/2011/01/15/difficile-est-satiram-non-scribere/ http://nrw.blogsport.de/2011/01/15/difficile-est-satiram-non-scribere/#comments Sat, 15 Jan 2011 13:15:54 +0000 administrator allgemein http://nrw.blogsport.de/2011/01/15/difficile-est-satiram-non-scribere/ Diskussionspapier zur „ConnACT“-Konferenz am 14./15.01.2011

 

Mehrere Antifa-Gruppen aus dem Rheinland laden im Januar nach Köln, um mit „antifaschistischen Gruppen, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Parteien, Gewerkschaften und interessierten Einzelpersonen“ über die auch 2011 anstehenden „großen extrem rechten Events“ zu diskutieren und „langfristig angelegte überregionale spektrenübergreifende Bündnisse“ zu schaffen.
Im Folgenden werden einige Kritikpunkte an der Konferenz und deren Hintergrund erläutert. Es ist uns wichtig vorher zu betonen, dass wir mit diesem Flugblatt die Diskussion suchen und nicht kategorisch einen Bruch mit allen an der Konferenz Teilnehmenden vollziehen möchten. Aber Kritik ist kein konstruktiver Wattebausch, sondern eine Waffe, weshalb wir darum bitten, etwas Nachsicht zu haben, wenn die eine oder andere Formulierung vielleicht zunächst etwas hart erscheint. Wir sind der Auffassung, dass wenn Argumente konsequent und klar verfasst sind, sie sich leichter diskutieren und auf ihr Zutreffen überprüfen lassen.

 

Auf zum Bündnis! – Auf zum Atom!
Aufgrund der eigenen Schwäche suchten Antifa-Gruppen schon immer den Kontakt zu zivilgesellschaftlichen Organsiationen und Teilen der radikaleren Linken. Neu ist die Bestrebungen der Konferenz also nicht. Neu ist hingegen eher, dass Antifas, anders als noch in den neunziger Jahren, immer weniger versuchen radikale Gesellschaftskritik in solchen „großen“ Bündnissen zur Debatte zu stellen. Das Bündnis an sich scheint Selbstzweck geworden zu sein, und der Zweck – möglichst viele Menschen gegen Nazi-“Großevents“ auf die Straße zu bringen – heiligt alle Mittel. Zu einem „radikalen Akt“ wird bestenfalls noch der vermeintliche „zivile Ungehorsam“ und der „kollektive Regelverstoß“ geadelt. Einen solchen erkennen die OrganisatorInnen antifaschistischer „Großevents“ vor allem in friedlichen Sitzblockaden von (auch sonst) gesetzestreuen BürgerInnen. Dass deutsche BürgerInnen aber nicht von „der Antifa“ zu „kollektiven Regelvestößen“ ermuntert oder gar getragen werden müssen, sondern dass eben diese auch von selber auf solche „radikalen“ Ideen kommen, beweisen nicht zuletzt die Proteste gegen Stuttgart 21. Zu denken geben könnte allerdings, dass einzig Proteste gegen Nazis und RechtspopulistInnen, gegen Atommülltransporte und Bahnhofsumgestaltungen das – bestenfalls – linksliberale Milieu in Deutschland auf die Straße treibt, während selbst reformistische Proteste gegen den Sozial- und den Grundrechteabbau kaum auf Resonanz stoßen – von Demonstrationen gegen die deutsch-europäische Asylpolitik oder das Privateigentum an Produktionsmitteln ganz zu schweigen.

Der Grund, weshalb „breite Bündnisse“ – welche letztlich natürlich auch nur die immer gleichen linksliberalen bzw. zivilgesellschaftlichen Organisationen vereinen – funktionieren, ist darin zu suchen, dass radikale Gesellschaftskritik in den Bündnissen nicht diskutiert wird oder zumindest nicht nach außen hin sichtbar gemacht wird. „Antifa“, so war es zumindest einige Zeit Konsens, bedeutete auch eine unbeirrte Bekämpfung der Verhältnisse, die immer wieder faschistische und nationalsozialistische Ideologien hervorbringen müssen und das ohne hinter die bürgerliche Gesellschaft (zum Beispiel auf einen autoritären Staat oder eine proletarische Diktatur) zurückzufallen. Allein mit dem Label „links“ und „antikapitalistisch“ war es nicht getan, sondern es ging darum sich eine Kritik der Gesellschaft anzueignen, durch Austausch und Kontroverse zu schärfen und weiter zu vermitteln. Auf dem „Antifa-Kongress“ vermisst man diese wichtige Erkenntnis.
Nur logisch ist es deshalb, dass beim Auftakt der von antifaschistischen Gruppen getragenen Konferenz diese Frage diskutiert werden soll: „Inwiefern muss jeder Protest gegen öffentliches Auftreten von Neonazis auch den Rassismus der Mehrheitsgesellschaft thematisieren?“. Auch wenn sie nach einigen Tagen wieder von der Homepage verschwunden ist, in den offiziellen Flyern findet sie sich noch. Man kann diese Frage wohl nur als eine rhetorische begreifen. Die Xenophobie der Mehrheitsgesellschaft und die rassistische Politik von BRD und EU können und sollen in „breiten“ Bündnissen nicht auf angemessene Weise thematisiert werden. Erst Recht darf bei Strafe der Implosion der “breiten Bündnisse” nicht thematisiert werden, dass diverse aktuelle oder anvisierte Bündnispartner (etwa Die Linke, Bündnis90/Grüne, SPD) die Abschiebe- und Abschottungspolitik der BRD durch ihre aktuelle oder ehemalige Beteiligung an Landes- und Bundesregierungen mittragen, wenn sie nicht gar selbst rassistische Debatten forcieren. An dieser Stelle sei nur der ehemalige SPD- und Linkspartei-Vorsitzenden Oskar Lafontaine und dessen Rolle in der so genannten „Asyldebatte“ in den neunziger Jahren erwähnt, denn eine weitere Aufzählung linker RassistInnen, oder gar eine Debatte über die rassistische Verfasstheit von Staaten an sich („Insofern der Staat die Mittel hat, zu bestimmen, wer sich wie auf seinem Territorium ökonomisch betätigen darf, ist er von seiner Struktur her unaufhebbar rassistisch verfasst.“ Manfred Dahlmann), würde hier den Rahmen massiv sprengen.

 

Dreh- und Angelpunkt Neonazi-Aufmärsche
In einem Aufruf zu „Massenblockaden“ gegen den Naziaufmarsch in Stollberg heißt es: „Jeder erfolgreich durchgeführte Aufmarsch wirkt motivierend, stabilisierend und ideologisierend auf die NS-Szene. Die Auswirkungen zeigen sich in verstärkter überregionaler Vernetzung, aber auch im Kleinen; durch ein alltägliches offensives, gewalttätiges Auftreten von NeofaschistInnen in Stolberg, Düren, Aachen – Städte, in denen Menschen zunehmend Opfer von Nazigewalt werden.“, weiter heißt es in dem erwähnten Aufruf: „Für Neonazis sind kollektive Veranstaltungen wie Aufmärsche nicht nur wichtig, um Rassismus und Nationalismus öffentlich zu propagieren. Sie festigen auch das Selbstbild eines kollektiven »Wir« der TeilnehmerInnen.“ So richtig der letzte Satz ist, so verkürzt ist es, „rechte Events“ zum Dreh- und Angelpunkt antifaschistischer Interventionen zu machen und sich Schwerpunktmäßig auf die Initiierung von eigenen „Gegenevents“ zu konzentrieren. Nicht selten gewinnen gerade Aufmärsche bei denen es „geknallt“ hat, also bei denen es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei und GegendemonstrantInnen gekommen ist, an Eventcharakter für den „erlebnisorientierten“ Teil der Nazi-Szene. Die Verhinderung und Störung von Naziaufmärschen mag für Nazis ärgerlich sein, die allerwenigsten hören aber wegen eines verhinderten Aufmarsches auf, für die nationalsozialistische Sache zu agieren und agitieren.
Aufmärsche sind vielmehr nur eine einzelne Ausdrucksform extrem rechter Umtriebigkeit. Ungestörte regelmäßige Kameradschaftsabende, Konzerte oder kleinere illegale Aktionen sind für das Selbstverständnis und die Außenwirkung der neonazistischen Subkultur mindestens genauso wichtig. Zudem drängt sich bei der Lektüre des Aufrufs zu den Protesten in Stollberg der Eindruck auf, dass eine relativ starke Naziszene primär die Folge von Aufmärschen wäre. Dabei ist es doch vielmehr so, dass Neonazis gerade dort Aufmärsche veranstalten, wo sie über aktive, gefestigte und verhältnismäßig große Strukturen verfügen. Gerade für die Regionen Aachen-Düren, Siegen oder Dortmund-Hamm lässt sich dies feststellen. Das Problem ist also eher, dass z.B. im Raum Aachen-Düren Neonazis jahrelang agieren konnten, ohne von zivilgesellschaftlichen Akteuren, Polizei, Verwaltung und auch „der Antifa“ gestört zu werden. Die wenigen aktiven AntifaschistInnen in dieser Region waren Jahrelang auf sich gestellt, auf Unterstützung von „Großstadt-Antifas“ mussten sie lange vergebens warten. Es drängt sich also der Verdacht auf, dass „Großstadt-Antifas“ vor allem dann in die Provinz aufbrechen wenn es gilt, medienwirksam „Events“ in Form von „Massenblockaden“ und „breiten Bündnissen“ zu inszenieren. Der „Nazialltag“, also die regelmäßigen Übergriffe, „Propagandaaktionen“ und die Zusammenkünfte, in denen Nazis neue Mitglieder agitieren und einbinden, stellen für AntifaschistInnen und andere von Nazis zu Feinden erklärte Gruppen jedoch das viel größere Probleme dar.

 

Beispiel Dortmund – Solidarität muss Praktisch werden!
Ähnlich wie dem Raum Aachen-Düren wird auch der nordrheinwestfälischen „Nazihochburg“ Dortmund von Seiten des Großteils der Antifabewegung nur dann Aufmerksamkeit geschenkt, wenn rechte „Großevents“ wie der so genannte „Antikriegstag“ anstehen. Dabei lässt sich auch und gerade für Dortmund konstatieren, dass der „Großaufmarsch“ zum „Antikriegstag“ und dessen überregionale Bedeutung nur Ausdruck einer relativ starken und gefestigten rechten Szene in Dortmund ist. Die organisierten Neonazis um den „NW Dortmund“ verfügen nicht nur über ein „Nationales Zentrum“, in dem regelmäßig Kameradschaftsabende und Veranstaltungen stattfinden, sondern haben auch beste Kontakte zu den zahlreichen rechts-subkulturell geprägten Stadtteil-Cliquen, zu rechten Fußballfans und Hooligans sowie zu extrem rechten Parteien in Dortmund und Umgebung. Der engere Kreis des “NW Dortmund” und das mobilisierbare Umfeld der Nazi-Szene in Dortmund umfasst ca. 200 Personen und verfügt über eine gefestigte Infrastruktur. Dies alles erklärt die zahlreichen öffentlichen Auftritte, „Propagandaaktionen“ und auch Übergriffe bis hin zum Mord in Dortmund. Die wenigen organisierten AntifaschistInnen in Dortmund und dem Ruhrgebiet waren lange auf sich alleine gestellt und sind es auch heute zumeist. Zu größeren Aktionen von Seiten der Dortmunder Zivilgesellschaft und der nordrheinwestfälischen linken Szene kommt es in Dortmund nur anlässlich des „Antikriegstages“ und auch das erst seit zwei Jahren. Kurzfristig organisierte Antifa-Aktionen nach brutalen Übergriffen oder die alljährliche Gedenkdemonstration für den 2005 von einem Neonazi ermordeten Thomas „Schmuddel“ Schulz erfahren kaum überregionale Unterstützung. Zurück geführt wird dies dann – wie in einem Ankündigungstext der Konferenz – auf eine „Zersplitterung der Spektren“. Hier ist zu erwähnen, dass zumindest ein „antifaschistisches Spektrum“ jenseits vom „Antikriegstag“ kaum kontinuierlich gegen Nazis in Dortmund aktiv wird, gleiches lässt sich über die „Spektren“ Zivilgesellschaft und Gewerkschaften sagen – und auch dies seit Jahren. Wichtig wäre es, der rechten Szene in Dortmund kontinuierliche antifaschistische Arbeit an 365 Tagen im Jahr entgegen zu setzen. Wie die Erfahrungen der letzten zehn Jahre zeigen, kann sich auf die oben erwähnten Spektren – nicht nur aus linksradikaler Perspektive – nicht verlassen werden. Eine Fixierung auf den „Antikriegstag“ ist zudem mehr als problematisch und dient wohl primär der Pflege des guten Gewissens und dem Bedürfnis nach „Praxis“ der einmal im Jahr zum „Event“ anreisenden Bewegungslinken. Es lässt sich wohl nur darüber spekulieren, wie groß die linksradikale Szene tatsächlich wäre, wenn diese „Großevents“ vielen Bewegungslinken nicht selbst ein „Wir-Gefühl“ vermitteln würden, dass über die eigene Marginalität und Bedeutungslosigkeit hinwegtäuscht.
Ein Patentrezept zur Zerschlagung der Nazi-Szene in Dortmund und in anderen „Nazihochburgen“ können wir nicht anbieten. Sicher ist jedoch, dass es viele bessere Methoden gibt mit denen man Nazis praktisch in die Schranken weisen kann. Dazu gehört auch die Verhinderung ihrer öffentlichen Auftritte und die konsequente Einschränkung ihrer Bewegungsräume. Maßnahmen einer solchen Art müssen kontinuierlich erfolgen, stehen einer radikalen Gesellschaftskritik aber nicht im Wege. Im Gegenteil: Ein Event-Antifaschismus, der versucht möglichst viele Menschen für spektakuläre Aktionen unter einen Hut zu bekommen, es aber unterlässt, eine Gesellschaftskritik, die ihres Namens würdig ist, zu entwickeln und zu artikulieren, bleibt auf lange Sicht wirkungslos.

 

Aktion und Politik – ist das wirklich alles?
Den auf diesem Kongress vertretenen antifaschistischen Politikansatz halten wir also aus mehreren Gründen für kritikwürdig. Die hier repräsentierten Gruppen vernachlässigen es seit Jahren, die neonazistischen Aktivitäten gesellschaftlich zu kontextualisieren. Eine Gesellschaftskritik, die über den Allgemeinplatz hinaus reicht, dass „Rassismus auch aus der Mitte der Gesellschaft“ komme, artikulieren sie nicht. Diese Kritiklosigkeit ist jedoch integraler Bestandteil ihres „Erfolgsrezeptes“: Sie ist Voraussetzung für die viel beschworene Zusammenarbeit mit Gewerkschaften, Kirchen, Parteien und anderen Gruppen, die an der Verfasstheit dieser Gesellschaft nichts grundsätzliches auszusetzen haben und jeden, der das anders sieht, unter Extremismusverdacht stellen. Eine Zusammenarbeit zwischen Antifa und zivilgesellschaftlichen Gruppen hat keine Radikalisierung dieser Gruppen, sondern die Aufgabe von radikaler Gesellschaftskritik zur Folge.
Was die Versammelten vereint ist letztlich ein Praxisfetisch, der schon durch die Kapitälichen des “ACT” auf den Werbematerialien zum Ausdruck kommt. Nur in Hinblick auf erhoffte zukünftige Aktionen hat man sich – sei es wegen fehlenden Inhalten oder ideologischen (freundlicher: theoretischen) Differenzen – etwas zu sagen. Es geht nicht um theoretische Diskussionen, die vielleicht im Vorfeld oder Vordergrund zu stehen hätten, sondern um die Tat, sei sie abseits der Selbstbestätigung und Selbsterhaltung durch Eigenwerbung noch so belanglos.
Im Umkehrschluss heißt diese Konstellation deshalb auch, dass der inhaltliche Gehalt von Mobilisierungen auf einen langweiligen und antikritischen Konsens heruntergebracht werden muss oder zumindest auf das Nebeneinanderstehen von (ansatzweise) vernünftigen Positionen und solchen, die erstere zu bekämpfen hätten, hinausläuft. Es wird taktiert, für einzelne Bündnispartner schwierige Themen werden umschifft und am Ende klopft man sich für die ach so erfolgreiche Bündnistümelei gegenseitig auf die Schultern.
Doch auch in Hinblick auf den Anti-Nazi-Kampf bleiben die hier vertretenen Strategien wirkungslos oder reichen zumindest nicht über symbolische Erfolge, wie die Blockade des Naziaufmarsches in Dresden hinaus. Jenseits solcher medientauglichen „Gegen-Großevents“ kommen keine Aktionen in den regionalen Nazihochburgen zustande.

 

» antifaschistische und kommunistische Gruppen aus NRW

 

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Marg bar jomhuriye eslami! Nieder mit der islamischen Republik! http://nrw.blogsport.de/2010/11/05/marg-bar-jomhuriye-eslami/ http://nrw.blogsport.de/2010/11/05/marg-bar-jomhuriye-eslami/#comments Fri, 05 Nov 2010 09:44:13 +0000 et2c vortrag http://nrw.blogsport.de/2010/11/05/marg-bar-jomhuriye-eslami/ Veranstaltungsreihe zur Kritik des iranischen Regimes

 

    [ Ein Nachbereitungstext und Audiomitschnitte folgen in den nächsten Wochen »hier. ]

 

Der Iran, so scheint es, hat viele Freunde. Während international von China über Venezuela bis Russland gute Beziehungen angestrebt werden, so stellt auch im „Westen” die politische und ökonomische Unterstützung der „islamischen Republik” den Normalfall dar. Sympathien für ein Regime, das seinen antiemanzipatorischen, antisemitischen, homophoben und frauenfeindlichen Charakter nicht verheimlicht und der gesamten Welt im Namen Allahs den Krieg erklärt hat, werden nicht nur von staatlicher Seite gehegt. Auch in der radikalen Linken ist der positive Bezug auf die „islamische Republik” bis hin zu einer bisweilen grotesk anmutenden Ignoranz der islamistischen Ideologie keine Seltenheit.

Dies änderte sich auch nicht als im Sommer 2009 eine erstarkte iranische Protestbewegung fast täglich im Fokus der Medien stand, die trotz der brutalen Versuche sie niederzuschlagen, offensichtlich eine säkulare, demokratische Revolution herbeiführen wollte. Selbst das iranische Atomprogramm führte nicht zu einer ernstzunehmenden öffentlichen Debatte, obwohl dessen militärische Ausrichtung kaum noch bezweifelt werden kann und seine Vollendung – nicht zuletzt durch die Verwehrung nachdrücklicher Sanktionen aus Deutschland – kurz bevorsteht.

 

Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe sollen einige der hier aufgeworfenen Widersprüche näher beleuchtet werden. So wird Thomas von der Osten-Sacken die Frage, weshalb eine Unterstützung der Aufstände im Iran aus dem „Westen” ausblieb mit einem kurzen Überblick über die Geschichte und die Ausrichtung der iranischen Protestbewegung verbinden. Andreas Benl wiederum wird ideologiekritisch untersuchen, wie die genannten linke Sympathien für Islamismus und die „islamische Republik” zustande gekommen sind und was sie ausmacht.

Gleichzeitig wird es aber auch darum gehen, solche Aspekte zu beleuchten, die ein kritisches Verhältnis zum iranischen Regime ausmachen und die Ansatzpunkte für eine nötige Solidarität mit den Aufständischen im Iran verdeutlichen. Dass mit der üblichen Benennung der Zustände im Iran als „patriachalisch” eine Verharmlosung einhergeht, wird Fathiyeh Naghibzadeh gleichermaßen in den Fokus stellen, wie eine Analyse der Geschlechterverhältnisse in der iranischen Gesellschaft. Matthias Küntzel wird schließlich die historischen Kontinuitäten in den deutsch-iranischen Beziehungen aufzeigen und sie mit der aktuellen Problematik eines iranischen Atomprogramms verknüpfen.

 

Weitere Infos unter: » et2c.wordpress.com

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never again http://nrw.blogsport.de/2010/11/04/never-again/ http://nrw.blogsport.de/2010/11/04/never-again/#comments Thu, 04 Nov 2010 10:42:27 +0000 et2c allgemein http://nrw.blogsport.de/2010/11/04/never-again/ Anlässlich des 72. Jahrestages der antisemitischen Pogrome vom 9. November 1938 zeigt der Antifaschistische Impuls Dortmund am Sonntag, dem 7. November, den Film „Die Feuerprobe“ von Erwin Leiser. Die Veranstaltung beginnt um 19:00 Uhr im Kulturhaus Taranta Babu.

 


Am Jahrestag der Pogromnacht findet eine antifaschistische Gedenkkundgebung am Mahnmal an der alten Stadtmauer in Duisburg statt, in deren Anschluss Aktionen gegen eine Kundgebung der NPD in Essen-Borbeck geplant sind.

 

Zudem wird ein von der Jugendgeschichtswerkstatt Münster erstellter Radiobeitrag am 09.11. über „Antenne Münster“ ausgestrahlt und über ihre Internetseite abrufbar sein.

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Keine Stadt ist verloren! http://nrw.blogsport.de/2010/10/14/keine-stadt-ist-verloren-die-nazistrukturen-in-hamm-plattmachen/ http://nrw.blogsport.de/2010/10/14/keine-stadt-ist-verloren-die-nazistrukturen-in-hamm-plattmachen/#comments Thu, 14 Oct 2010 14:01:25 +0000 administrator action http://nrw.blogsport.de/2010/10/14/keine-stadt-ist-verloren-die-nazistrukturen-in-hamm-plattmachen/ Die Nazistrukturen in Hamm plattmachen!

 

[ Hier klicken, um den Aufruf als pdf anzuzeigen ]

 

Für den 23.10.2010 hat die seit März 2003 aktive “Kameradschaft Hamm” einen Aufmarsch durch die Hammer Innenstadt gegen einen halluzinierten “Volkstod” angekündigt. Am 22.10. wollen die von ihnen aufgebauten “Autonomen Nationalisten” aus dem benachbarten Ahlen eine Vorabendkundgebung zum Aufmarsch durchführen. An beiden Tagen gilt es ihre Aktionen mit allen Mitteln zu vereiteln. Aber auch darüber hinaus muss sich antifaschistische Solidarität in mehr niederschlagen als nur zu den üblichen Gelegenheiten in die Provinz zu fahren.

 

Hamm: Eine kurze Bestandsaufnahme

Die kommende Neonazidemonstration ist die zehnte in Hamm. Sie reiht sich, neben zahlreichen Kundgebungen, regelmäßigen Störungen von antifaschistischen Veranstaltungen und brutalen Übergriffen auf politische GegnerInnen, ein in eine traurige Chronik rechter Umtriebigkeit seit 2003. In Hamm konnte sich über Jahre hinweg fast ungestört eine der aktivsten Neonaziszenen in NRW entwickeln, die für viele Menschen eine ernsthafte, körperliche Bedrohung darstellt und die angesichts ihrer Ideologie kaum überschätzt werden kann. So bestehen neben der “Kameradschaft” noch diverse weitere rechte Cliquen und neonazistische Kleingruppen im Stadtgebiet, darunter rechtsradikale Bands, Ultragruppen und Freundeskreise, mit und aus denen die Neonaziszene ihren Nachwuchs rekrutiert, die aber gleichermaßen eine eigene Dynamik entwickeln.

Auch überregional sind die KammeradInnen aus Hamm kontinuierlich aktiv, so gehen die Vernetzungsversuche in der Region zwischen Ahlen, Unna, Bergkamen, Bönen, Münster und Dortmund – um nur einige zu nennen – maßgeblich auf sie zurück, genauso wie die meisten der jüngeren Neonazigruppierungen aus der Umgebung mit maßgeblicher Unterstützung der “Kameradschaft Hamm” aufgebaut wurden. Gute Verbindungen in andere Städte bestehen nicht zuletzt, da diverse Kader und Mitglieder in den letzten Jahren nach Dortmund und in andere umliegende Städte verzogen sind. Dass es die “Kameradschaft Hamm” trotzdem geschafft hat handlungsfähig zu bleiben und Nachwuchs einzubinden, macht es wenig überraschend, dass sie in der rechten Szene des gesamten Ruhrgebiets und darüber hinaus hoch geschätzt ist, nicht nur wenn es um Erfahrung und Infrastruktur geht.

 

Von nichts gewusst und nichts gelernt..

Lange Zeit wurden die rechten Aktivitäten in Hamm und Umgebung ignoriert. Erst hierdurch konnte sich die neonazistische Szene unbehelligt aufbauen, neue Mitglieder rekrutieren und sich vernetzen. Der von Gerhard Schröder im Jahr 2000 nach diversen antisemitischen und rassistischen Gewalttaten ausgerufene “Aufstand der Anständigen” aus der Bürgerschaft und auch ein “Aufstand der Zuständigen” aus Verwaltung, Lokalpresse, Stadtpolitik und Polizei, ist in vielen Gegenden der BRD nie angekommen, so auch nicht in Hamm. Erst seit Kurzem wird in den lokalen und überregionalen Medien über die Situation vor Ort berichtet und nicht zuletzt deshalb haben erst kürzlich auch die lokalen Parteien verstärkt Interesse an Gegenmaßnahmen bekundet. Das diesjährige, relativ breite Bündnis, welches zu nicht nur abseitigen symbolischen Gegenaktivitäten aufruft, steht somit für eine neuere Entwicklung, die vor einigen Jahren noch undenkbar schien.

Was auf den ersten Blick erfreulich ist, darf nicht darauf hinauslaufen, im Rahmen der Aktivitäten gegen Neonaziaufmärsche die dort propagierten nationalsozialistischen “Basisideologien” (Antisemitismus, Rassismus, autoritäre Gesellschaftsauffassung, Antiamerikanismus etc.) nicht zur Sprache zu bringen und nicht in ein Verhältnis zum deutschen “Normalbetrieb” zu setzen. Mitnichten reagieren die Deutschen des Jahres 2010 sensibler auf Neonazis und deren Ideologie, und keinesfalls gehen sie gegen diese entschlossener vor als vor dem “Aufstand der Anständigen”. Vielmehr werden die genannten Ideologien nach wie vor von großen Teilen der Bevölkerung mehr oder minder stark geteilt, es geht bei den Gegenaktivitäten weiterhin allem voran um die Wahrung des guten Rufs der eigenen Stadt und um den nationalen Mythos einer gelungenen “Vergangenheitsbewältigung”.

 

Jenseits der Metropolen

Hamm ist eine jener Provinzstädte, in der sogenannte “linke Strukturen” schwach aufgestellt sind und von denen es in der BRD Tausende gibt. Ohne ein nennenswertes linkes bzw. linksliberales Milieu, welches eine halbwegs kritische Öffentlichkeit hervorbringen könnte – oder gar ein linkes Zentrum – ist die Vermittlung radikaler Gesellschaftskritik und die Organisation von Interventionen für sich genommen schon schwer genug. Das “Naziproblem” führt jedoch dazu, dass die wenigen organisierten Linksradikalen sich primär mit Neonazis beschäftigen müssen, da diese eine massive Bedrohung nicht nur für die eigene “politische Arbeit”, sondern auch für die körperliche Unversehrtheit darstellen. In dieser Situation ist eine Schärfung der eigenen kritischen Theorie der Gesellschaft, welche auf die Aufhebung jener Verhältnisse zielen könnte, die neonazistische Ideologien hervorbringen, tragischer Weise fast unmöglich. Hamm ist hier kein Sonderfall. Aus “linken Hochburgen”, also aus den nahegelegenen Groß- und Universitätsstädten, erfahren Antifas in der Provinz zumeist keine oder wenig Unterstützung. Dabei stellen Neonazis gerade in der Provinz zumeist eine viel größere Gefahr für antifaschistische, “migrantische” oder “alternativen” Menschen dar, während in den Metropolen nicht selten mit der Lupe nach Nazis oder Rechtspopulisten gesucht wird, an denen man sich abarbeiten kann. Selbst Orte in unmittelbarer Nähe werden gerne vernachlässigt, weil “Metropolenlinke” eine halbstündige Bahnfahrt scheuen oder sich lieber im großstädtischen Szenesumpf einkuscheln.

 

Antifa 2010: Von Events und “Massen”

Die Mainstream-Antifa des Jahres 2010 konzentriert sich stattdessen lieber auf “Events”, bei denen vermeintlich “was geht”. Vorzugsweise sind dies Aufmärsche, bei denen aufgrund von massiven linken und zivilgesellschaftlichen Mobilisierungen eine vergleichsweise große Anzahl von Menschen auf die Strassen gehen und/oder Scharmützel mit der Polizei oder Neonazis zu erwarten sind. Es wird also bevorzugt dort interveniert, wo zu erwarten ist, dass “breite Bündnisse” möglich sind und eine gewisse mediale Aufmerksamkeit gegeben ist – so zum Beispiel Berlin, Hamburg, Köln oder mit Abstrichen auch Dresden. Diese mehr oder minder kritische Öffentlichkeit wird allerdings selten zur Artikulation radikaler Gesellschaftskritik genutzt. Eine Fixierung auf “Groß-Events”, bei denen es vielen Linken primär um Randale oder darum Teil einer “Masse” zu sein geht, und in deren Rahmen die Artikulation von eigenen Positionen nicht selten ein Schattendasein fristen muss, ist mindestens zweifelhaft, wenn nicht kontraproduktiv.

Doch auch die wenigen “Großstadtantifas”, die trotz des nicht zu erwartenden “Events” am 23.10. den Weg nach Hamm finden, müssen sich fragen lassen, warum sie lediglich dann dort auftauchen, wenn ein Aufmarsch der örtlichen “Kameradschaft” ansteht. Die Fixierung von AntifaschistInnen auf Neonaziaufmärsche ist falsch und fatal, weil diese nur eine vereinzelte Ausdrucksform neonazistischer Auswüchse sind. Regelmäßige Kameradschaftsabende, Konzerte oder kleinere illegale Aktionen sind für das Selbstverständnis und die Außenwirkung der neonazistischen Subkultur mindestens genauso wichtig.

 

Support the Dorfantifa!

Für die Provinz interessieren sich Großstadtantifas also bestenfalls wenn es dort zu Aufmärschen kommt, bei denen die KameradInnen meistens – wie aktuell in Hamm – von einem Polizeikessel eskortiert durchs Kaff Gassi gehen dürfen. Dass der “Nazialltag” dort ein viel größeres Problem darstellt, wird kaum beachtet. Problemorientiert oder gar solidarisch ist ein Auftreten bloß zu solchen Gelegenheiten sicher nicht: Antifastrukturen in der Provinz müssen vielmehr nachhaltig gestärkt werden, was ohne Unterstützung von außerhalb kaum möglich ist.

 

Für die Entbarbarisierung des platten Landes!
Solidarität mit den Antifaschistinnen und
                                 Antifaschisten in Hamm und Ahlen!
Jetzt und in Zukunft: die Verhältnisse kritisieren,
                                     die Naziszene in der Provinz plattmachen.

 

// antifaschistische und kommunistische Gruppen aus NRW
// antifa-nrw.de

 

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